Ein Tag mit Herrn Kritiker

Begonnen hat der Tag gut. Bis halb 10 geschlafen. Herr Kritiker hat es mir auch Widerwillens zugestanden.

Dann nochmal zum kuscheln ins Bett. Bis halb 12 mit dem Partner im Bett gelegen und eine Tierdoku geschaut.

Dann gemütlich gebruncht. Da schlich sich Herr Kritiker schon etwas verstärkter herein.


Du wolltest doch deinen ganzen Unterricht für nächste Woche vorbereiten.

Geh‘ jetzt endlich an den Schreibtisch. Sitz‘ nicht nur rum.


Letztendlich um 13.30 Uhr an den Schreibtisch gesetzt.

Mich 3 Stunden an einer Unterrichtsstunde festgearbeitet. Mit jedem Blick auf die Uhr wurde ich wütender auf mich.

Wieder NIX geschafft. Was kannst du eigentlich? Echt. Unfassbar. Es sind 3 Stunden vorbei und du hast nur eine einzige Stunde vorbereitet? Wie willst du das eigentlich alles überstehen.

Hallo, Herr Kritiker.


Wut auf mich macht sich breit. Mehr und mehr. Anspannung. Hochanspannung. Drang sie an mir auszulassen wird einfach immer größer.

Nein. 8 Monate des Jahres sind um. Nur einmal selbstverletzt.

Das bleibt eine Ausnahme.

Ich schaffe es dieses Jahr. Ich schaffe es.

Denke ich. Der Gedanke hilft mir, es nicht zu tun.


Stehe auf. Gehe Richtung Küche. Hole schonmal die Zutaten zum Abendessen kochen heraus.

Nochmal zurück an den Schreibtisch. Zumindest die Struktur der anderen Stunden für Montag noch grob aufschreiben.

Die eine ist zum Glück schon geplant, weil sie letzten Montag ausfiel, die andere ist schnell aufgeschrieben, da es nur 45 Minuten sind und die Schüler*innen ihre Gruppenarbeit noch vorstellen werden müssen.


Dann koche ich mit dem Partner.


Wir essen.


Ich bin fertig.


Ich denke an die aktuelle Situation. An meine Überforderung. Dieses nicht-umgehen-können mit den ganzen Anforderungen (die jetzt noch wenig sind haha). Ich denke daran, dass ich krank bin. Dass ich Borderline habe. Dass es auch nie weg sein wird. Dass es mir daher wohl einfach mehr zusetzt als anderen. Mir kommen Tränen.

Der Partner fragt was los ist.

Tja. Weiß ich auch nicht.

Er schlägt vor, mein Feierabend Ritual durchzuführen (witzig: ich habe noch keins, aber so versucht er mich dazu zu bewegen eins einzuführen – er tut einfach immer so als hätte ich eins).


Ich entscheide mich nach 20 Minuten dazu, meditieren zu gehen.

„Sich selbst akzeptieren und wertschätzen “ suche ich aus.


Meditiere also 20 Minuten, rutsche zwischendurch kopftechnisch wieder in die Schule, schaffe es aber immer wieder zurück.

Nun. Und hier liege ich jetzt. Immernoch. Im Bett. Blogge. Und höre Musik.


Dann ist der Kopf wenigstens für kurze Zeit mal woanders.


Herr Kritiker, kannst du dich bitte wieder in die letzte Reihe des Buses setzen?

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